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Hallo, lieber Internet-Besucher,

viele Menschen stellen mir immer wieder Fragen zu meiner sportlichen Entwicklung. Wie alles angefangen hat und wie ich so das eine oder andere sehe. Deshalb habe ich mich hingesetzt und versucht ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Seit meiner Geburt am 22. Februar 1972 habe ich in Berlin gelebt. Bin also eine echte Berliner Göre. Ich neige zwar nicht zu der sprichwörtlichen Berliner Schnauze, aber auf dem Mund gefallen bin ich nun auch nicht. Ich gehe die Dinge des Lebens eher ruhig an und lasse mich nicht so leicht aus dem Rhythmus bringen. Meine Eltern haben mich frühzeitig mit dem Sport in Verbindung gebracht. Nachdem ich drei Jahre alt war brachten sie mich nach Hohenschönhausen zum Eiskunstlaufen. Nicht nur weil die Mädchen so niedlich mit ihren kleinen Röckchen aussahen, sondern auch um mich ein wenig müde zu kriegen. Schließlich wollte ich damals abends partout nicht einschlafen. Na, mir war das "Wurscht". Erstmal musste ich lernen, mich auf den glatten Boden zu halten und zu bewegen. Das ging sogar ganz gut. Aber letztendlich waren die Baletteinlagen nicht so mein Ding. Springen und vor allem Laufen waren aber okay. Meine Trainer meinten, dass ich es doch mit dem Eisschnelllaufen versuchen sollte. Da bin ich halt ins Lager der Langkufen-Flitzer gewechselt. Brauchte ich keine Kringel zu drehen, Kurven fahren konnte ich und den Rest ging's gerade aus. Warum nicht?

Meinen ersten großen Erfolg konnte ich im Februar 1985 feiern. Bei der Kinder- und Jugendspartakiade der DDR landete ich über 1.500 m auf Platz eins. Da war der Jubel groß. Jetzt wurde es auch richtig interessant. Die Auslandsstarts kamen und 1988 wurde ich Vize-Welmeisterin im Mehrkampf der Juniorinnen. Doch was nutzen die Erfolge im Teenie-Alter, wenn du sie nicht bei den Erwachsenen bestätigen kannst. Ich habe trainiert und trainiert und trainiert. Im März 1991 hatte ich es dann geschafft. Bei den ersten Meisterschaften des vereinten Deutschlands konnte ich sowohl über 3.000 m als auch über 5.000 m den zweiten Platz belegen: Und kurz darauf begann auch schon meine leidenschaftliche Beziehung zu den Olympischen Spielen. Los ging’s im Winter 91/92. Da stand die Olympiaqualifikation für Albertville an. Die erste Bewährungsprobe für mich und meine (damals neuen) Trainer Joachim Franke. Nachdem ich in Warschau über 3.000 m im Weltcup-Rennen Zweite wurde, lief ich bei den Deutschen Meisterschaften auf Platz drei über 5.000 m. Damit hatte ich den Sprung nach Olympia geschafft, nein besser, nach Savoyen, wo das Eisschnelllauf-Zentrum der Olympischen Winterspiele 1992 von Albertville lag. Ich musste früh ran bei meinem ersten Olympiastart. Als ich in der Kabine war (Dusche, Massage etc.) kam plötzlich ein Funktionär ganz aufgeregt auf mich zu: Schnell, du musst raus, zur Siegerehrung! Kurz darauf baumelte Bronze um meinem Hals. Das war der Hammer.

Durch den Rhythmuswechsel der Olympischen Spiele - Sommer und Winter nicht mehr im gleichen Jahr - stand 1994 wieder Olympia auf dem Programm. Für mich das große Ziel. Nach Lillehammer wollte ich unbedingt und bereitete mich intensiv vor. Das Sommertraining war ganz schön hart und da kam dann was, da bist du machtlos. Lillehammer steht bevor und ich liege im Bett mit Bronchitis. Claudi, man kann alles mögliche im Bett machen, aber warum sich gerade krank reinlegen? Ich wusste es nicht. Doch mein Trainer Joachim Franke hat das Trainingsprogramm für mich umgebaut, so dass ich noch rechtzeitig vor Lillehammer startklar war. In Hamar, wo die Wettkämpfe stattfanden, bin ich über 5.000 m gelaufen, was das Zeug hält. Knapp zwanzig Sekunden unter meiner Bestzeit. Claudi, das war stark. Olympiasieger - davon hatte ich als Kind geträumt und jetzt war es war. Mir war dann alles egal. Locker bin ich in den 3.000 m-Lauf gegangen und schaffe da noch die Bronzemedaille. Gold und Bronze - und die größte Ehrung stand noch bevor. Die Leitung der deutschen Olympiamannschaft wählte mich als Fahnenträgerin zur Abschlussfeier aus. Ich, Claudi - hoffentlich stolpere ich nicht. Oder kriege 'nen Krampf. Soll ja alles Mögliche schon vorgekommen sein. Na ja, zum Schluss war es halb so wild, aber eine Riesensache für mich. Mit der Eisbahn in Hamar hatte ich auch später gute Erfahrungen. Eben da gewann ich 1996 meinen ersten Weltmeistertitel über 5.000 m. Dazu kamen noch zwei "Silberne" über 1.500 m und 3.000 m. Und 2006 bin ich dort „auf meine alten Tage“ sogar nochmal Europameisterin im Mehrkampf geworden!

Mit meinem Trainer Joachim Franke, den besten Trainer den ich mir vorstellen kann, haben wir ja immer von Olympia zu Olympia geplant. Nicht, dass ich nicht gerne Weltmeisterin oder Weltcup-Siegerin geworden wäre. Aber Olympia, das iss’ es. Bei Olympia topfit sein, sich vier Jahre konzentriert und konsequent darauf vorzubereiten, ist für mich die größte Herausforderung, die es gibt. Deswegen verstehe ich auch nicht die Journalisten, die bei einem Weltcuprennen von einer Olympia-Revanche sprechen. Weltcup-Rennen kann man 'zig mal in der Saison gewinnen, aber Olympia nur alle vier Jahre. Da zeigt sich doch wie konstant man seine Sportart betreibt und eben diese Olympia-Revanche kann halt nur bei Olympia stattfinden. Vier Jahre später wird sich zeigen wer dann noch das Eisoval betritt und vor allem wie gut er, ach nein, sie ist. Also für uns stand Japan an. Konkret Nagano. Auf der 5.000-m-Strecke gab es einen regelrechten Eislauf-Krimi. Nein, es wurde keiner entführt, aber es war halt verdammt spannend. Gunda Niemann hatte vorgelegt. Und das mit einer Zeit, die noch niemals von einer Frau gelaufen wurde. Erstmals unter sieben Minuten. „Claudi, diesmal laufen wir, um Silber zu sichern“ hat mein Coach vorher gesagt. Nachher war er genauso verblüfft wie ich. Denn ach 5.000 Metern war ich exakt vier Hunderstel schneller als Gunda! Zu Gold kam noch Silber über 3.000 m. Ich war total happy.

Irgendwie lief die Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2002 anders ab. Ich fühlte mich im Winter 2000 in Höchstform. Erstmals konnte ich Weltmeisterin im Großen Vierkampf werden. Die Journalisten sprechen ja immer von der Krone des Eisschnelllaufs und ich bin ja eher Olympia fixiert. Was soll's, jetzt hatte ich also noch eine "Krone" auf. Bei der Einzel-Weltmeisterschaft in Nagano konnte ich auch noch die Titel über 1.500 m und 3.000 m holen. Über 5.000 m gab's noch Silber. Claudi, das hat prima geklappt. Sozusagen eine erfolgreiche „Zwischenolympiade“ für mich. Beim Weltcup-Finale gelang mir dann auch noch als erste Frau die Vier-Minuten-Grenze über 3.000 m zu unterbieten. Wieviel schneller kann man eigentlich noch laufen?

Salt Lake City hat dann gezeigt, dass es scheinbar keine Zeitgrenzen gibt. Einmal mehr von meinem Trainer Achim Franke, bestens eingestellt bin ich nach Utah gereist. Im Vorfeld gab es ja über die Medien das sogenannte "Zickenduell". Mir war das schnurz piepe. Natürlich ärgert man sich, wenn versucht wird, etwas in die Öffentlichkeit zu bringen, was in dieser Form gar nicht stattgefunden hat. Aber, was soll’s. Ich habe in meiner Karriere hunderte Sportlerinnen und Sportler kennengelernt. Da gibt es welche, zu denen hat man ein positives Verhältnis. Dann gibt es welche, zu denen hat man ein negatives Verhältnis. Und dann gibt es welche, zu denen hat man gar kein Verhältnis. Halt wie im richtigen Leben. Mich hat die Sache jedenfalls zusätzlich motiviert und in keiner Art und Weise verunsichert. Rückblickend war es das tollste was man sich vorstellen kann. Zweimal Gold und damit auch noch die erfolgreichste deutsche Wintersportlerin aller Zeiten bei Olympischen Winterspielen – &Mac226;Claudi, da ist nicht viel mehr drin’. Habe ich mir damals gesagt. Aber vier Jahre später in Turin stand ich schon wieder auf dem Olympiaeis. Gold im erstmals ausgetragenen Teamwettbewerb und Silber über 5.000 Meter. Die Medien haben von der historischen Chance gesprochen, die ich vertan haben soll. Schließlich wäre ich die Erste gewesen, die viermal hintereinander auf der gleichen Strecke gewonnen hätte. Hallo? Ich habe für Statistiken nicht viel übrig, sondern mich lieber riesig über Silber gefreut. Und am Ende der Spiele nochmals mit Stolz die deutsche Fahne auf der Abschlussfeier getragen...
Wenn ich jetzt was vergessen habe, was Euch interessiert, dann mailt mir doch einfach. Ich bemühe mich stets, offene Fragen schnell zu beantworten. Also, ran ans Netz.

Eure Claudi

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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