Pechi: Mein Gold-Hunger ist noch nicht gestillt!
Von ULRIKE KRIEGER
"Ich lag oft wach im Bett und träumte vom Gold-Rennen."
Foto: Kunz
Berlin - Ihre Siege in Salt Lake City machten Claudia Pechstein, 30, zu Deutschlands erfolgreichster Wintersportlerin aller Zeiten. Vor dem Start in die neue Saison sprach Berlins Kufenstar mit der .
Hat sich nach Olympia viel für Sie verändert?
Pechstein: "Es ist eine ganze Menge positiver Stress dazu gekommen."
"Ich gehe mit Anni immer noch nicht Kaffee trinken"
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Das müssen Sie erklären...
Pechstein: "Ich hatte sehr viele PR-Termine, Fernsehauftritte, Treffen mit Fans. Ich habe alles genossen. Es war eine ganze neue Erfahrung, nicht nur im Winter präsent zu sein, sondern auch im Sommer. Ein Highlight war natürlich das Rennen gegen Stefan Raab."
Können Sie eigentlich in Berlin noch unerkannt Bummeln gehen?
Pechstein: "Klar, das ist das Schöne an dieser riesigen Stadt. Ich freue mich aber auch, wenn ich auf der Straße erkannt und angesprochen werde. Die meisten Leute sind dann ganz überrascht, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, der auch im Supermarkt an der Kasse ansteht."
Haben Sie sich auch schon mal verkleidet, um nicht erkannt zu werden?
Pechstein (lacht): "Nein. Ich setze meine Sonnenbrille wirklich nur auf, wenn die Sonne scheint, nicht, um unerkannt zu bleiben."
Konnten Sie bei dem Rummel überhaupt abspannen?
Pechstein: "Ich habe mir mit meinem Mann Markus zwei Wochen Urlaub in der Karibik gegönnt. Das waren herrliche Tage ohne Handy-Klingeln."
Hat der große Erfolg Sie persönlich verändert?
Pechstein: "Sicherlich bin ich eine ganze Zeit lang wie auf Wolke 7 geschwebt. Ein unbeschreiblich starkes, schönes Gefühl. Aber ich bin trotz allem auf dem Teppich geblieben. Ich bin so wie ich bin. Ich lasse mich nicht umkrempeln und werde auch nicht plötzlich abheben. Mein Umfeld und mein Ehemann sind ganz zufrieden mit mir."
Laut Manager haben Sie ihren Marktwert verdoppelt. Was haben Sie sich denn von ihrem Geld geleistet?
Pechstein: "Ich habe meinem Mann zum Essen eingeladen. Ich bin nicht der Typ, der sich jetzt in Luxus hüllen muss. Alles ist beim Alten geblieben. Auch unsere Garage hat jetzt kein goldenes Dach."
Sie wirken immer so cool, als könnte Sie nichts aus der Ruhe bringen. Wann gehen Sie mal an die Decke?
Pechstein: "Oh, schlechte Autofahrer, die links schleichen, bringen mich ganz schön auf die Palme. Oder wenn ich mir etwas vorgenommen habe, was dann nicht klappt, da könnte ich aus der Haut fahren. Ich bin wohl eher eine Mrs. 100 Prozent."
Wo hängen eigentlich Ihre Medaillen jetzt?
Pechstein: "Sie liegen sicher in einem Bank-Safe."
Können Sie sich mit ihren Leistungen überhaupt noch überraschen?
Pechstein: "Na klar. Wenn ich die Videos von Olympia sehe. Bekomme auch ich immer wieder eine Gänsehaut. Ich denke dann: Wow, wie hast du das bloß gemacht? Manche Tage habe ich sogar wach in meinem Bett gelegen und die Rennen noch einmal an mir vorüber ziehen lassen."
Haben Sie nie daran gedacht, nach Olympia aufzuhören?
Pechstein: "Nein, nie. Keinen Augenblick. Ich kann mir einfach noch nicht vorstellen, die Hausfrau Claudia Pechstein zu sein."
Was treibt Sie an?
Pechstein: "Es macht mir einfach noch zu großen Spaß. Man muss mich nicht zum Training prügeln. Eisschnelllauf ist einfach noch mein Leben. Ich will bis Olympia 2006 auf alle Fälle weiter machen."
Aber Ihr Trainer Joachim Franke will 2003 aufhören...
Pechstein: "Ich weiß, aber vielleicht kann ich ihn überreden. Wenn nicht, müssen sich andere Wege finden."
Bei so vielen Goldmedaillen - haben Sie überhaupt noch sportliche Träume?
Pechstein: "Klar, mein Gold-Hunger ist noch nicht gestillt. Ich will auf meinen Strecken 3000 m und 5000 m so oft wie es geht schnell laufen und natürlich als Erste im Ziel sein. Es gibt ja in diesem Jahr wieder Weltmeisterschaften."
Wären zweite Plätze für Sie eine Katastrophe?
Pechstein: "Nein, natürlich nicht. Ich war auch schon oft genug Zweite oder sogar Vierte. Wenn ich alles gegeben habe und andere eben besser waren, kann ich gut damit leben. Trotzdem will ich immer jedes Rennen gewinnen."
Im letzten Jahr belebte ihr Zicken-Duell mit Anni Friesinger das Geschäft. Gibt's eine Fortsetzung?
Pechstein: "Keine Ahnung. Ich lasse alles auf mich zu kommen. Ich sehe Anni in jedem Trainingslager, aber an der Situation hat sich nicht viel geändert. Wir grüßen uns, tauschen ein paar Worte aus, das wars. Wir gehen immer noch nicht miteinander Kaffee trinken, aber wir respektieren aber beide die sportliche Leistung der anderen."
Machen Sie auch was gemeinsam?
Pechstein: "Dass wir ein 3. Sponsoren-Logo auf unseren Anzügen tragen dürfen, haben wir gemeinsam erstritten. Mehr wars wohl noch nicht."
Am Freitag gehts zum 1. Mal wieder aufs Eis und bei der DM in Erfurt gibt's gleich wieder ein Duell gegen Anni. Lampenfieber?
Pechstein: "Ich würde es nicht Lampenfieber nennen. Aber nervös bin ich immer vor dem Auftakt. Man weiß nie so richtig, was man drauf hat. Letzte Woche war ich noch erkältet, also, ich lass mich überraschen. Abgerechnet wird eh erst bei der WM im Frühjahr, da will ich top sein."
Machen Sie sich auch Gedanken, wie ihre Sportart attraktiver werden kann?
Pechstein: "Ich hätte totale Lust auf Staffel-Läufe und Team-Wettkämpfe, schließlich gibt's die in fast jeder Sportart."

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