Claudia Pechstein Mehrkampf-Meisterin
Die Berliner Olympiasiegerin gewann in Abwesenheit von Gunda Niemann auf allen vier Einzelstrecken
Claudia Pechstein bleibt Berlins Eisschnellauf-Aushängeschild. Die Olympiasiegerin wurde im bayerischen Inzell erstmals Deutsche Meisterin im Mehrkampf.
Claudia Pechstein beherrschte schon am ersten Tag die Szenerie überlegen. Unter den Augen der nach einer Operation noch nicht völlig wiederhergestellten Gunda Niemann schaffte sie zum Auftakt über 500 m mit 42,03 s die zweitbeste Zeit ihrer Laufbahn. Dann ließ die Läuferin vom neugegründeten EC Berlin über 3000 m einen neuen Meisterschaftsrekord folgen. "Es lief echt super. Mit diesen Zeiten konnte ich an die Leistungen vom Dezember anknüpfen und das bei eisiger Kälte, freute sie sich.
Gestern setzte sich dann der "Goldzug" der 23 Jahre alten Bundesgrenzschutzangehörigen fort. Erst siegte sie über 1 500 m mit drei Sekunden Vorsprung auf Jacqueline Börner, die anschließend ebenso wie Ulrike Adeberg krankheitsbedingt ausschied, dann über den langen Kanten mit sieben Sekunden vor der Erfurter Langstrecken-Spezialistin Heike Warnicke. Titelverteidigerin Gunda Niemann, die nächstes Wochenende möglicherweise schon wieder beim Weltcup in Davos startet, lobte die Zeiten ihrer Nachfolgerin. "Und sie hat mir dazu gratuliert, darüber habe ich mich sehr gefreut", sagte Claudia Pechstein.
Die Berlinerin hat jetzt als nächste Station den Weltcup in Davos am kommenden Wochenende im Visier. "Dort möchte ich meine Leistungen bestätigen", so der knappe Kommentar von Claudia Pechstein, die sich in dieser Saison in der Form ihres Lebens befindet. Eine EM-Medaille scheint damit im niederländischen Heerenveen (19. bis 21. Januar) im Bereich des Möglichen. Und dann kommt ja noch die WM im eigenen Lande, Anfang Februar wieder in Inzell. "Darüber mache ich mir noch keine Gedanken", sagt Claudia Pechstein, die die Einführung der Einzelstrecken-WM in diesem Jahr als sehr gut bezeichnet. "Da können sich endlich auch die Langstreckenspezialisten präsentieren. Aber es sollte überlegt werden, ob in einem Jahr alles, also EM, WM, Einzelstrecken-WM und Weltcup, gelaufen werden müssen." Derzeit macht es Claudia Pechstein riesigen Spaß, auf dem Eis zu laufen: "Das liegt auch an unserem neuen Verein ECB, denn damit ist Eisschnellauf in Berlin wieder ins Gespräch gekommen."
Immerhin kamen von den 31 WM-Startern in Inzell 16 aus Berlin. "Auch die Leistungen der Herren können sich sehen lassen", sagte Trainer Joachim Franke. "Ob nun der Meisterschaftsrekord von Peter Adeberg und die persönliche Bestleistung von Michael Spielmann jeweils über 500 Meter oder die vorderen Plazierungen von Thomas Kumm und Alexander Baumgärtel - eine Chance für die Teilnahme an der Einzelstrecken-WM ergibt sich für mehrere Berliner", so Franke.
Von Christoph Scharf, Inzell
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