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@ TELEGRAMM Nr. 15 / 15. März 2005
Manchmal kommt es eben anders als man denkt. Und manchmal sogar öfter...
1. Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Saison für mich beendet ist. Aber jetzt darf ich doch noch mal aufs Eis. Und das gleich zu zwei Rennen innerhalb einer guten Stunde. Ich würde mich freuen, wenn Sie am Donnerstag in Hohenschönhausen vorbei schauen und für richtig Stimmung sorgen. Mehr dazu im @Telegramm.
2. Als zehn Tage vor der Einzelstrecken-WM in Inzell Halsschmerzen und ein grippaler Infekt in mir hoch schlichen, habe ich eigentlich gedacht, ich könnte mir einen Sprung aufs Treppchen abschminken. Dass dann doch noch zwei Silbermedaillen um meinen Hals baumelten hat mich stolz und glücklich gemacht.
3. Eigentlich hatte ich gedacht, in jedem Interview vor der WM deutlich gemacht zu haben, dass es mir nicht darauf ankam, einen Platz im deutschen Damentrio zu beanspruchen. Für mich stand immer im Mittelpunkt, auf die ungenügende Kommunikationsfähigkeit des DESG-Cheftrainers Helmut Kraus hinzuweisen. Doch einige Journalisten konnten oder wollten meinen Ansatzpunkt nicht verstehen. Schade.
4. Eigentlich hatte ich gedacht, dass die DESG-Verantwortlichen so schnell wie möglich ein klärendes Gespräch aller Beteiligten anberaumen wollten. Doch bis heute habe ich von den Herren in Inzell noch nichts gehört.
Ihre Claudia Pechstein
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@ TELEGRAMM Nr. 14 / 22. Februar 2005
Ist es nicht toll, wenn man sich ab und an noch selbst überraschen kann? Mit meinem 3. Weltcup-Gesamtsieg in Folge habe ich mir selbst das schönste (vorgezogene) Geschenk zu meinem 33. Geburtstag gemacht. Im Vorfeld des traumhaften Wochenendes in der niederländischen Thialf-Arena, wurde ich häufig gefragt, wie ich mich trotz der Meinungsverschiedenheiten mit dem sogenannten Chef-Bundestrainer Helmut Kraus auf meine sportliche Leistung konzentrieren könne? Zu diesem Thema möchte ich betonen: Es gibt zwischen mir und Herrn Kraus keine Meinungs-verschiedenheiten. Denn um verschiedener Meinung zu sein, muss man die Meinung des anderen kennen. Und Herr Kraus hat mir seine Meinung über die Besetzung des WM-Teams bis heute noch nicht mitgeteilt. Ich muss wohl damit leben, dass Kraus lediglich die Nähe zu den Medien sucht. Mehrfach habe ich bereits auf diese Kommunikationsdefizite hingewiesen. Auch intern in Gesprächen mit dem DESG-Sportdirektor Günther Schumacher. Doch mehr als schöne Worte zu erwarten, wäre vermessen.
Damit hier niemand etwas falsch verstehen kann: Mir liegt es fern, einen Platz für mich im Team-Wettbewerb zu beanspruchen. Wenn Herr Kraus der Meinung ist, es gibt drei bessere als mich, dann ist das sein gutes Recht. Aber ich denke, mein gutes Recht ist es, von ihm dazu eine Erklärung zu erwarten. Übermittelt von ihm persönlich - und nicht von dem Medien.
In diesem Sinne bleiben Sie mir gewogen und drücken Sie mir für die WM die Daumen.
Herzlichst, Ihre Claudia Pechstein
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@ TELEGRAMM Nr. 13 / 23. Dezember 2004
Das Jahr neigt sich dem Ende und ich muss mich selbst ein wenig bremsen. Aufgrund eines grippalen Infekts, musste ich meinen Start kommende Woche bei der DM in Inzell absagen (siehe mein @TELEGRAMM). Doch trotz dieses unspektakulären, sportlich etwas verfrühten Jahresende blicke ich gerne auf 2004 zurück.
Gold, Silber und Bronze bei den Weltmeisterschaften geholt, dazu noch Vize-Europameisterin geworden und den Gesamtweltcup über 3.000/5.000 Meter gewonnen: Eine Bilanz, die mich stolz macht und die ich gerne mit meinem Trainer Joachim Franke teile, bei dem ich mich ganz herzlich für die Zusammenarbeit bedanke.
Auch in der neuen Saison gings mit dem Gewinn des deutschen Meistertitels über 3.000 Meter gleich gut los. Doch dann mussten wir einmal mehr erkennen, dass die anderen Nationen auch hart trainieren und mit Schlittschuhen aufs Eis kommen. Obwohl ich in jedem Rennen der Saison stets schneller war als im Vorjahr, warte ich noch auf einen Platz auf dem Treppchen. Doch die Saison ist noch lang, und die Weltmeisterschaften in Inzell vom 3. bis 6. März bleiben mein erklärtes Saisonziel. Dort möchte ich mich (spätestens) wieder unter den Top Drei platzieren!
In diesem Sinne wünsche
ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
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@ TELEGRAMM Nr. 12 / 14. Juli 2004
Kinder, wie die Zeit vergeht. Das ist mir einmal mehr bewusst geworden, als ich mich heute daran gesetzt habe, diese Zeilen zu formulieren. Mehr als drei Monate sind nach dem Gewinn meines Weltmeistertitels über 3.000 Meter bereits wieder ins Land gegangen. Und auch nach diesem Höhepunkt zum Saisonabschluss ist es keinen Moment langweilig geworden. Vom ICEHOTEL rüber nach Australien, Drehs für Kino- bzw. TV-Spots.
Zwischendurch noch der eine oder andere TV-Auftritt. Und ruckzuck stand schon wieder der Trainingsauftakt zur neuen Saison auf dem Programm. Das Radtrainingslager in den italienischen Bergen von Livigno habe ich gemeinsam mit meiner Trainingsgruppe bereits in den Beinen. Zur Zeit haben wir wieder Eis unter den Füßen oder besser gesagt unter den Kufen. In Erfurt steht das erste Eistrainingslager auf dem Programm. Natürlich ist es Jahr für Jahr eine echte Schinderei, den Körper wieder in Topform zu bringen. Aber ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, dass auch eine Menge Spaß mit im Spiel ist. Ähnliches galt übrigens auch für die Dreharbeiten zu meiner ersten
eigenen, kleinen TV-Sendung. Am Donnerstag, 15. Juli, 17.15 Uhr wird sie auf n-tv erstmals ausgestrahlt. In Das ist mein Australien stelle ich Ihnen den fünften Kontinent so vor, wie ich ihn erlebt habe. Schauen Sie doch mal rein! Ich würde mich freuen. In diesem Sinne
herzlichst, Ihre Claudia Pechstein
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@ TELEGRAMM Nr. 11 / 25. März 2004
Heute erleben Sie eine kleine Premiere. Erstmals umfasst mein Newsletter nicht zwei,
sondern drei Seiten. Im Rahmen meines Tripps ins ICEHOTEL nach Jukkasjärvi sind so viele Fotos entstanden, dass einfach mehr Platz benötigt wird. Zumal es ja auch noch zur Einzelstrecken- Weltmeisterschaft in Seoul einiges zu sagen gibt.
Es war einfach ein wunderbares Gefühl am Ende einer so langen Saison das selbstgesteckte Ziel erreichen zu können. Und von der Dramaturgie her, hätte es packender nicht sein können. Die letzte Runde, ja die letzte Kurve des 3.000-Meter-Rennens gegen Anni Friesinger hat die Entscheidung gebracht und mir die Goldmedaille beschert. Ein Wahnsinnsgefühl.
Und auch über meine zweite Medaille, einen Tag später über 5.000 Meter, habe ich mich von Herzen freuen können. Die anderen Mädels, die am Start stehen, haben auch Schlittschuhe drunter und wissen wie man damit umgehen muss. Von daher hat Anni Friesingers Ausspruch, die Bronzemedaille sei eine Schlappe für mich, bei mir große Verwunderung ausgelöst. Gleiches gilt für die Aussage, sie habe das Eisschnelllaufen in Deutschland salonfähig gemacht. Ich frage mich: Warum solche Spitzen, wenn sie den Zickenkrieg doch für beendet erklärt hat?
Es bleibt wohl dabei: Anni sagt ab und an Sachen, die sie nicht so gemeint haben kann. In diesem Sinne,
herzlichst, Ihre Claudia Pechstein
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@ TELEGRAMM Nr. 10 / 02. 03. 2004
Es ist einfach ein geiles Gefühl, sprudelte es am vergangenen Sonntag vor laufenden ZDF-Kameras aus mir heraus, als feststand, dass ich meinen Gesamt-Weltcup-Titel aus dem Vorjahr verteidigt hatte. Und an diesem Gefühl hat sich auch zwei Tage danach noch nichts geändert. Das finale Weltcup-Wochenende in Heerenveen war einfach traumhaft. Die Thialf-Arena gilt nicht von ungefähr als das Mekka des Eisschnelllaufens. Die Atmosphäre ist weltweit einzigartig. Und wenn man vor solch einer Kulisse dann gleich dreimal ganz oben auf dem Treppchen stehen darf, ist das natürlich eine Riesensache. Zumal nicht nur meine Platzierungen, sondern auch die Rennverläufe zu meiner Hochstimmung beigetragen haben. Mein Lauf über die 3.000 Meter am Freitag war in Punkto Gleichmaß sicherlich nahe an der Perfektion. Ganze zwei Zehntel Sekunden trennten die langsamste von meiner schnellsten Runde. Anschließend wurde ich ein ums andere mal gefragt: Wie machen Sie das bloß, Frau Pechstein? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht wirklich nicht! Es ist halt wichtig, am Anfang schnell den Rhythmus zu finden, dann gehts automatisch und ich könnte sogar noch ein paar Runden dranhängen. So ein geiles Gefühl ist das.
Hoffentlich auch nächste Woche bei der WM in Seoul. Drücken Sie mir die Daumen.
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@ TELEGRAMM Nr. 9 / 02. 02. 2004
Diesmal möchte ich meine persönlichen Zeilen einmal mit einem ganz anderen Thema beginnen: Ich habe mich nämlich so richtig gefreut, dass die Jungs von Hertha BSC aus meiner Heimatstadt Berlin am Sonntagabend den VfB Stuttgart bezwungen und wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt gesammelt haben. Und ich möchte wetten, dass auch zahlreiche Bremer vom SV Werder die Fäuste geballt haben, als die Schwaben als Konkurrent im Kampf um die Meisterschaft Federn lassen mussten. Jetzt habe ich da mal eine Frage an die Herren Sportjournalisten der Bild-Zeitung: Sind die Bremer, die gestern gejubelt haben, unsportlich und allesamt männliche Zicken? Oder ist es im Sport nicht das normalste der Welt, wenn man sich darüber freut, seinem Ziel, ganz vorne zu landen, einen Schritt näher gekommen zu sein? Wenn Sie letztere Frage mit ja beantworten, hätte ich gerne mal gewusst, warum mein Jubel nach dem Ende des 1.500-Meter-Rennens eine Zickenattacke auf Anni Friesinger war. Anni hatte angekündigt, auf ihrer Weltrekordstrecke den Abstand auf die Konkurrenz vergrößern zu wollen. Stattdessen bin ich vor den abschließenden 5.000 Metern näher an sie herangerückt. Über solche Situation im Sport möchte ich mich auch zukünftig weiter freuen dürfen, ohne mich nachträglich ärgern zu müssen.
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@ TELEGRAMM Nr. 8 / 12. 01. 2004
Fast könnte man meinen »Same procedure as every year«. Denn zum fünften Mal in Folge habe ich bei der Europameisterschaft im Mehrkampf die Silbermdaille gewonnen. Dennoch war es diesmal etwas ganz besonderes, auf dem zweithöchsten Treppchen bei der Siegerehrung zu stehen. Denn für zahlreiche Experten war ich diesmal nicht unbedingt die heißeste Kandidatin für den Platz hinter der derzeitigen Allround-Queen Anni Friesinger. Selbst Anni hatte eher Renate Groenevold auf der Rechnung. Und die Niederländerin lag vor dem abschließenden 5.000-Meter-Rennen auch vor mir auf Rang zwei. Als ich nach dem letzten Lauf meines Vierkampfes dann auf die Endzeit von Renate warten musste, schlug mir das Herz bis zum Hals. Die Anspannung war riesengroß. Erst zwei Runden vor Schluss war mir klar, dass meine Zeit reichen würde. Als mein Trainer Joachim Franke auf mich zukam, mich in den Arm nahm und mir gratulierte, sind mir Freudentränen in die Augen geschossen (Foto oben, re.). Ich weiß gar nicht, wann mir dies das letzte Mal passiert ist: Tränen des Glücks. Habe mich selbst ein wenig über mich gewundert, aber auch gefreut, dass ich nach all den Jahren und großen Erfolgen immer noch total happy bin, wenn ich auf der EM Silber erkämpfe. Und in diesem Jahr gibt es ja noch einige Medaillen zu verteilen ...
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