Noch nie so zufrieden nach zwei 4. Plätzen:
Und in Moskau will ich aufs Siegertreppchen!
Meine Form stimmt, ich bin deutlich besser drauf als im Vorjahr. Wenn jetzt einer sagt, "Nanu, wie kommt die Claudi denn darauf?, schließlich hat sie ihr Abo der vierten Plätze doch auch in die neue Saison hinein verlängert", dann antworte ich: Das ist nur die die eine Seite der Medaille. Denn für mich und meinen Gemütszustand ist es enorm wichtig zu wissen, dass es unter normalen Umständen für mich bereits in Heerenveen einmal zu einem Platz unter den besten Dreien gereicht hätte. Mindestens einmal. Aber der Reihe nach: Über die 3.000 m am Freitagabend war ich so freundlich, meinen Konkurrentinnen Martina Sablikova (durch eine Erkältung gehandicapt) und Daniela Valkenburg durch eine Unkonzentriertheit die Plätze zwei und drei zu schenken. In der vorletzten Runde habe ich in der ersten Kurve nicht sauber übersetzt und mir den Schlittschuh selbst in die Hacken geschlagen. Dadurch kam ich ins Straucheln und wäre fast gestürzt. Das Aufstöhnen der erschreckten Zuschauer klingelte mir noch nach dem Zieleinlauf in den Ohren. Der Wackler hat mich nicht nur in dieser Runde bestimmt eine halbe Sekunde gekostet. Denn durch das verlorene Tempo war auch die Schlussrunde nicht mehr so hastig wie sie hätte sein können. Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass ich knapp zwei Zehntel von Platz drei und gut drei Zehntel von Platz zwei entfernt war, dann weiß man, wo ich gelandet wäre, wenn der Wackler nicht gewesen wäre. Natürlich ist auch mir klar, dass alles "hätte, wenn und aber" am Ende nichts zählt, ab es gibt mir einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass meine Leistungsfähigkeit ausreicht, um ganz vorne reinzulaufen. Dass sich mein hartes Training im Sommer nun auszahlt, zeigt auch das Ergebnis über 1.500 m. Hier musste ich gleich im ersten Rennen an den Start, da ich zum Weltcup-Auftakt in Berlin passen musste und noch keine Weltcup-Punkte sammeln konnte. Da meine Gegnerin Martina Sablikova ihren Start kurzfristig abgesagt hatte, stand ich plötzlich ganz allein auf der Bahn. Niemand, an dem man sich orientieren kann, niemand, in dessen Windschatten man sich beim Wechsel heranziehen kann. Um so überraschter war ich, dass meine Zeit von 1:58,39 min am Ende fast zu Platz drei gereicht hätte. Wieder fehlten nur gut drei Zehntel. Und das, obwohl die 1.500 m nun wirklich nicht zu meinen Lieblingsstrecken zählen. Von daher kann man jetzt, nachdem man auch die zweite Seite der Medaille betrachtet hat, sicher nachvollziehen, warum ich trotz der vierten Plätze zufrieden war. Jetzt fehlt eigentlich "nur noch" der Sprung auf Siegertreppchen, um meine gute Form auch "offiziell" zu bestätigen. Das möchte ich am liebsten gleich am kommenden Wochenende in Moskau nachholen. Denn dort steht erstmals meine Paradestrecke (5.000 m) auf dem Plan...
Drückt mir die Daumen,
Eure Claudia
