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Silbernes Happyend in Turin

Als sie bei der olympischen Schlussfeier die deutsche Fahne ins Stadio Olimpico trug, fühlte sich Claudia Pechstein doch noch ein wenig wie die Queen von Turin. "Ich war jetzt fünfmal bei Olympia dabei, habe neun Medaillen geholt und werde für weitere vier Jahre Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin sein. Das macht mich unheimlich stolz", meinte die Berlinerin. Am Tag zuvor hatte sie den historischen vierten Sieg in Folge im 5000-m-Rennen zwar knapp verpasst, aber als Zweite hinter Clara Hughes aus Kanada ein silbernes Happyend in Turin gefeiert. "Natürlich ist Gold immer schöner, aber das war ein hart erkämpftes Silber und darüber freue ich mich unheimlich", sagte Claudia Pechstein. Ihre Freude war ehrlich. Mit einem Luftsprung bestieg sie bei der Siegerehrung das Treppchen, nachdem sie zuvor auf der zweiten Ehrenrunde einen dicken Kuss von Ehemann Marcus bekommen hatte. Pechstein verpasste in 7:00;08 das vierte Gold auf ihrer Paradestrecke trotz unbändigen Willens und überragenden Kampfgeistes um genau 1,01 Sekunden. "In der letzten Runde habe ich gedacht, vielleicht kann ich es noch packen, in der letzten Kurve innen noch zulegen, aber dann hat es doch nicht mehr ganz gereicht."
Ob es Pechsteins letzte Spiele waren und ob sie ihre Karriere überhaupt fortsetzt, ist nun die große Frage. Sie selbst wollte oder konnte sie nicht eindeutig beantworten. Das Zünglein an der Waage ist Joachim Franke. Der 65 Jahre alte Trainer, der Pechstein seit 15 Jahren betreut und zu allen fünf Olympiasiegen geführt hat, konnte sich nach "seiner" insgesamt 18. olympischen Medaille nicht zu einer eindeutigen Zusage durchringen. Immerhin zitierte der Kufen-Maestro in seiner Rede am Samstag im "Champions Club" zu Ehren seiner Musterschülerin schon mal aus Goethes Faust: "Augenblick, verweile doch, du bist so schön - das hat Claudia bei mir heute schon mal erreicht." Er fühle sich wohl und gesund, sagte Franke, und er sei für alle Gespräche mit Claudia offen. Bedingungen knüpft er eher an den Verband, der sich bei seinen Konzepten in Hinblick auf Vancouver 2010 "nicht so vielen Illusionen hingeben" solle. Klar ist, dass Pechstein ohne ihren Coach nicht weitermachen wird. "Ein Trainerwechsel nach einer so langen Trainer-Sportler-Ehe kommt nicht in Frage", meinte Pechstein. Ein eingehendes Gespräch zwischen beiden stehe noch aus. "Nach der WM werden wir uns in Ruhe unterhalten, wie es mit dem Duo Pechstein/Franke weitergeht. Mein Trainer ist keiner, der sowas zwischen Tür und Angel entscheidet", sagte die Hauptstädterin.
Manager Ralf Grengel, denkt derweil bereits an eine Revolution im deutschen Eisschnelllauf. "Ein kleines Profiteam mit einem global agierenden Unternehmen als Sponsor, ein halbes Dutzend Spitzenathleten mit Claudia als Führungsperson und Joachim Franke als Chefcoach, der im Tagesgeschäft von einem Co-Trainer entlastet wird - das wäre eine sehr gute Sache", sagte Grengel. Auch Pechstein bezeichnete die Umsetzung eines solchen Plans als "Ansporn und Traum". Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) würde Pechstein keine Steine in den Weg legen. "Wir müssten mit einem Profiteam nur die Qualifikations-Richtlinien für Wettkämpfe regeln. Unter dem Strich würde ein solches Team dem Verband eine Menge Geld sparen", sagte DESG-Präsident Gerd Heinze.
(Text: sid)

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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