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8. Beweis Kuhhandel I

Nach dem Bekanntwerden der Sperre habe ich auf meiner Website erläutert, warum ich den ausgesprochenen Verdacht gegen mich nicht vom ersten Tag an öffentlich gemacht habe. Die Gründe, die zu meiner damaligen Entscheidung geführt haben, sehe ich mittlerweile natürlich auch in einem ganz anderen Licht.

Doch am späten Abend des ersten Wettkampftages der WM in Hamar hatte ich folgende Entscheidung zu treffen: Folge ich der ISU-Empfehlung (die an den DESG-Teamleiter Helge Jasch herangetragen wurde), mich krank zu melden, und vermeide somit, dass meine Name in der Öffentlichkeit mit Doping in Zusammenhang gebracht wird? Oder gehe ich an die Öffentlichkeit und nichts wird mehr so sein, wie es einmal war?

Ich bin der festen Überzeugung, dass in meiner Situation sich jeder andere auch, für den (vermeintlich besseren) Weg entschieden hätte, den eigenen Namen in der Öffentlichkeit nicht mit Doping in Verbindung zu bringen. Heute weiß ich, dass es der falsche Weg war. Aber hinterher ist man häufiger klüger!

Im Rückblick auf die Nacht von Hamar habe ich das Angebot der ISU später als Kuhhandel bezeichnet. Bemerkenswert finde ich vor allem die Tatsache, dass der Verband nicht einmal den Mumm hatte, anschließend zu seinem, am Abend des 7. Februar gemachten Angebot, zu stehen. Und so dauerte es nicht lange und es folgte das Dementi von Harm Kuipers. Zahlreiche Zeitungen und auch Online-Dienste (Beispiel: siehe Handelsblatt.com) griffen in ihrer Berichterstattung auf eine Meldung des Sportinformationsdienst (sid) vom 5. Juli 2009 zurück:

Der Eisschnelllauf-Weltverband ISU wehrt sich im Zuge des Dopingfalls Claudia Pechstein gegen Vorwürfe, einen "Kuhhandel" angeboten zu haben. "Wir haben DESG-Teamleiter Helge Jasch erklärt, dass wir abweichende Blutwerte festgestellt hätten, die möglicherweise im Gegensatz zum Antidopingkode stehen. Die Ursachen seien Krankheit oder Manipulation. Wir haben kein Startverbot ausgesprochen und auch keinen Rat gegeben, was die DESG und Claudia tun sollten", sagte Professor Harm Kuipers (Niederlande), zuständiger ISU-Arzt bei der Mehrkampf-WM in Hamar, dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Somit steht Aussage gegen Aussage. Auf der einen Seite Harm Kuipers, auf der anderen Seite ich. Wer sagt nun die Wahrheit? Zum Glück gibt es ja das Kuipers-Referat mit dem Titel „The ISU blood testing program“ (siehe auch: 3. Unterschiedliche Messwerte), das mir vollständig vorliegt. Und in dieser Ausarbeitung des ISU-Arztes findet sich auf Seite 15 eine genaue Anleitung, was zu tun ist, wenn bei einem Athleten oder einer Athletin auffällige Retikulozyten gemessen werden:

An den gelb markierten Stellen heißt es (zunächst oben): „Retikulozyten außerhalb des normalen Rahmens“ Unten folgt dann: „Wir raten dem Team den Läufer vom Start zurückzuziehen, um Medienwirksamkeit zu vermeiden. Denn ein Rückzug bedeutet nicht notwendigerweise Betrug.

Das spricht für sich. Da hat sich Harm Kuipers in Hamar wohl lediglich an seine eigenen Vorgaben gehalten!

Damit wäre dieser Kuhhandel also aufgeklärt, aber es gab ja noch einen zweiten! Zumindest hat DESG-Präsident Gerd Heinze ein äußerst fragwürdiges ISU-Angebot, das mir im Laufe des Verfahrens unterbreitet wurde, so genannt. Mehr Infos dazu gibt es hier: 9. Beweis Kuhhandel II.

Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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