oceanspray

Update: 5. März 2010

Ermittlungen machen deutlich: Es gibt nicht nur einen
Dopingsumpf, sondern auch einen Anti-Dopingsumpf!

Eigentlich hatte ich ja gedacht, mich kann nichts mehr überraschen. Aber was der gestrige Tag an neuen Erkenntnissen gebracht hat, lässt mich dann doch mehr als ungläubig den Kopf schütteln und eine unglaubliche Wut in mir hochsteigen. Damit jeder nachvollziehen kann, was ich meine, will ich versuchen, es ganz anschaulich darzustellen.

  • 6. und 7. Februar 2009: Bei mir werden erhöhte Retikulozyten im Blut gemessen.
  • 5. März 2009: Die ISU erhebt wegen dieser Werte Anklage gegen mich. Der Vorwurf lautet Blutdoping.
  • 30. Juni 2009: Die ISU sperrt mich rückwirkend ab dem 7. Februar für zwei Jahre. Grund: Meine erhöhten Retikulozyten seien nur durch Manipulation zu erklären!
  • 25. November 2009: Der CAS bestätigt die Sperre. Begründung: Meine erhöhten Retikulozyten seien – da ich den Nachweis einer Blutanomalie nicht habe erbringen können – nur durch Manipulation zu erklären!
  • 1. Dezember 2009: NADA und DESG stellen „Anzeige gegen Unbekannt“, um die (vermeintlichen) Hintermänner im (so genannten) „Fall Pechstein“ zu ermitteln.
  • 4. März 2010: Hausdurchsuchungen des BKA und der Staatsanwaltschaft München u.a. bei mir und dem Teamleiter der DESG, Helge Jasch.

So weit, so gut. Jetzt zu dem, was ich als unglaublich, ungeheuerlich und skandalös empfinde. Im Zuge der Ermittlungen des gestrigen Tage habe ich erfahren, dass es nach dem 7. Februar 2009 und (deutlich) vor dem Inkrafttreten der neuen Wada-Guidelines (die das Heranziehen mehrerer Blutparameter vorgeben) am 1. Dezember 2009 weitere Dopingkontrollen im Eisschnelllaufen gab, die erhöhte Retikulozyten zum Vorschein brachten – und zwar nicht bei mir!

Und was ist bislang passiert? Nichts! Rein gar nichts!

Wenn also erhöhte Retikulozyten – wie von der ISU und dem CAS in der jeweiligen Urteilsbegründung behauptet – nur durch Manipulation oder eine Blutanomalie zu erklären sind, stellt sich jetzt eine entscheidende Frage:

Warum ist gegen den betroffenen Athleten kein Verfahren eingeleitet worden, in dessen Verlauf er den Nachweis einer Blutanomalie hätte erbringen müssen, um einer Sperre zu entgehen?

Darauf hätte ich gerne eine Antwort. Ich denke, es ist mein gutes Recht und auch das Recht der Öffentlichkeit, dafür eine Erklärung zu bekommen! Und wenn wir schon dabei sind, fallen mir gleich noch einige andere Fragen ein, die jetzt von den verantwortlichen Dopingfahndern bei den Verbänden und den Anti-Dopingagenturen beantwortet werden müssen:

Warum wird im Anti-Dopingkampf mit zweierlei Maß gemessen?

Ist den Dopingfahndern schneller als ihnen lieb sein konnte klar geworden, dass die Retikulozyten als alleiniger Parameter nicht ausreichen, um einen Dopingbeweis zu führen?

Sind die ISU-Verantwortlichen bei mir tatsächlich nur deshalb vorgeprescht, um mich aus dem Verkehr zu ziehen?

Hatten sie wirklich erwartet, ich würde auf das unsägliche Angebot eingehen und zurücktreten, wenn im Gegenzug das Verfahren gegen mich eingestellt würde?

Und haben sie nach meinem „Nein“ das Verfahren nur deshalb auf Biegen und Brechen durchgezogen, weil sie keinen Rückzugsweg mehr sahen?

Es ist oft – und auch zu Recht – in der Vergangenheit von einem Dopingsumpf die Rede gewesen. Doch wenn ich mir anschaue, wie in meinem „Fall“ getrickst, gedreht und vertuscht wird, bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass es auch einen Anti-Dopingsumpf gibt!

Damit eines klar ist: Ich möchte keinesfalls kritisieren, dass darauf verzichtet wurde, gegen andere Athleten mit erhöhten Retikulozyten ein Verfahren zu eröffnen. Im Gegenteil: Wenn die anderen Blutparameter – so wie bei mir – gegen eine Manipulation sprechen, ist dies die einzige richtige Entscheidung. Allerdings verlange ich von den Dopingjägern, endlich einzugestehen, dass ihnen bei mir ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist!

Wenn dies nicht bald passiert, versinkt die Glaubwürdigkeit derer, die angeblich für den sauberen Sport kämpfen, in ihrem selbst verschuldeten Anti-Dopingsumpf.

In diesem Sinne,
bleibt mir gewogen

Eure Claudia


Letzte Aktualisierung:
25.11.2009

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