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10. Juli 2009
Es gibt auch ausgewogenen Journalismus
Der heutige Tag begann mit einem schönen Wiedersehen. mein langjähriger Trainer Joachim stand während des Trainings im Sportforum Hohenschönhausen wieder an der Bande. Fast so, als wäre er nie weg gewesen. Natürlich blieb dass auch den Journalisten nicht verborgen. Zwar ist die Meldung zum Comeback: (http://www.n24.de/news/newsitem_5213875.html) etwas dick aufgetragen, aber es ist schön, zu wissen, dass Joachim Franke mir weiter eng zur Seite steht!
Auch ansonsten dreht der Presserummel weiterhin seine Kreise. Dabei fällt mir auf, dass auch dem einen oder anderen selbst ernannten Dopingexperten, langsam klar werden sollte, dass mein sogenannter "Fall" sich gänzlich anders darstellt als die der tatsächlichen Dopingsünder. Thomas Kistner formulierte für sueddeutsche.de am 6. Juli seine Erwartungen wie folgt: "Und jetzt? Das Übliche: Pechstein legt keine Werte offen." Jens Weinreich fabulierte zwei Tage zuvor sogar, ich könne ja alles ganz schnell aufklären ich müsse ja nur meine Blutwerte offen legen. Ein paar Tage später konnte er sich die Werte ansehen, erhielt sogar die Freigabe, sie auf seiner Seite ins Netz zu stellen. Aber was bitteschön ist jetzt geklärt, Herr Weinreich? Bislang ist nur geklärt, dass entsprechende Textpassage bei Spiegel.de nicht mehr online steht. Ist das nicht ein bißchen wenig? Zumal im weiteren Textverlauf, die Forderung nach Offenlegung des Blutprofils noch immer im Raum steht. Also an der einen Stelle nachgebessert, an der anderen nicht. Ist das wirklich sauberer Journalismus? Aber wir wollen nicht kleinlich sein. Von dieser Art Journalisten wird man wohl nie eine faire, vorurteilsfreie Berichterstattung erwarten können...
Dass es auch anders geht, zeigt Philipp Grätzel von Grätz. Zwar muss man auch bei seiner Ausarbeitung für die Deutsche Ärztezeitung an mancher Stelle schwer schlucken, wenn man weiß, dass man unschuldig ist. Aber immerhin ist hier zu erkennen, dass eine ausgewogene Berichterstattung verfolgt wird:
Opfer oder Täterin? Der Dopingverdacht gegen
Claudia Pechstein ist medizinisch komplex
Ein hoher Wert an Retikulozyten - Vorläuferzellen von Erythrozyten - aber normale Hämoglobin- und Hämatokritwerte. Die Dopingvorwürfe an Claudia Pechstein werfen auch medizinisch Fragen auf.
Die Eisschnellläuferin und mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin Claudia Pechstein soll wegen angeblichen Dopings für zwei Jahre gesperrt werden. Experten halten das Strafmaß für zu hoch, betonen aber, dass der Verdacht auf Doping nicht von der Hand zu weisen ist.
Mit ihrem Urteil hat die Internationale Eisschnelllauf-Union (ISU) Neuland betreten. Erstmals gründet sich ein so harsches Urteil gegen eine Sportlerin nur auf erhöhte Retikulozytenwerte. Es gibt keinen Nachweis von Dopingmitteln und kein Geständnis. Nach Informationen von Experten, die die entsprechenden Excel-Tabellen eingesehen haben, waren bei Claudia Pechstein bei 14 von 95 Messungen in neun Jahren erhöhte Retikulozytenwerte festgestellt worden. Das Maximum lag bei 3,54 Prozent, fast 50 Prozent über dem oberen Grenzwert von 2,4 Prozent.
Eine solche Konstellation sei absolut kompatibel mit Doping durch blutbildende Substanzen wie Erythropoetin, betont Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Doping-Analytik der Deutschen Sporthochschule Köln. Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" schätzte er die Wahrscheinlichkeit, dass derart hohe Retikulozytenwerte physiologisch auftreten, auf unter 1 : 10 000.
Belastbare Statistiken wurden freilich bisher nicht öffentlich gemacht: "Eine adäquate statistische Aufarbeitung muss jetzt schleunigst geschehen", sagt Professor Fritz Sörgel vom Institut für biomedizinische und pharmazeutische Forschung (IBMP) in Nürnberg. Da Biomarker keine Beweise, sondern Indizien seien, müsse die Fehlerwahrscheinlichkeit statistisch sauber angegeben werden, so Sörgel. Dazu müssen die Messungen mit Normalkollektiven abgeglichen werden, am besten mit Sportlern in ähnlichem Alter. Absolute Sicherheit wird es niemals geben, aber das gehört zum Wesen von Indizienprozessen. Grundsätzlich befürwortet Sörgel dieses Vorgehen: "Wir sind bei nicht nachweisbaren Substanzen auf indirekte Beweise angewiesen. Die Frage ist, ob das Strafmaß von zwei Jahren für einen Indizienbeweis angemessen ist. Ich halte das für viel zu hoch", so der Experte zur "Ärzte Zeitung".
Denkbar wäre freilich auch eine pathologische Erhöhung der Retikulozyten, wie sie etwa bei Infektionen oder bei angeborenen hämolytischen Anämien vorkommt. Vor ihrem Urteil hat die ISU Experten konsultiert, um deren Einschätzung dazu einzuholen. Die erklärten pathologische Retikulozytenwerte anhand der Blutbildkonstellationen bei Claudia Pechstein für unwahrscheinlich. Nur bei den erblichen Veränderungen des Blutbilds hielten sie sich mit einem Urteil zurück.
Genetische Untersuchungen wurden gefordert.
Die ISU hatte Pechstein deswegen um genetische Untersuchungen gebeten, die sie jedoch nicht termingerecht durchgeführt hat. Auf ihrer Homepage verweist die Sportlerin zur Begründung darauf, dass die von ihr jetzt angestrengte Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof rasch erfolgen musste, um eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2010 nicht zu gefährden.
Deutlich verkompliziert wird die ganze Sache dadurch, dass die niedrigen Hämoglobin- und Hämatokrit-Werte bei Claudia Pechstein vordergründig nicht zu einem EPO-Doping passen wollen. "Es ist schon auffällig, dass gerade zu dem Zeitpunkt des maximalen Retikulozytenwerts einer der niedrigsten Hb-Werte gemessen wurde", so Sörgel.
Gänzlich inkompatibel mit einem Doping-Verdacht wäre das zwar nicht: Durch exzessives Trinken oder durch Aderlässe mit anschließender Infusion von Plasmaexpandern lassen sich Hb und Hk künstlich senken. Das aber ist aufwändig, zumal das entnommene Blut nach dem Test wieder reinfundiert werden müsste, um den Dopingeffekt nicht zu gefährden. Nach Auffassung von Sörgel sind die Hb-Werte bei Claudia Pechstein teilweise so niedrig, dass ein "Heruntertrinken" des Hämoglobins praktisch ausscheidet. Mit anderen Worten: Die Sportlerin müsste schon sehr intensiv mit Spritzen und Ampullen hantiert haben, um in Sachen Hb so konsequent unauffällig zu bleiben.
Das letzte Wort in Sachen Doping ist bei Claudia Pechstein also auch aus medizinischer Sicht noch nicht gesprochen. Sie selbst jedenfalls sieht sich als Opfer: "Ich glaube an Gerechtigkeit", schreibt sie auf ihrer Homepage und kündigt an, mit Blick auf Olympia 2010 weiter zu trainieren."
Das werde ich auch morgen wieder machen. Vormittags auf dem Eis, nachmittags auf dem Rad.
Bleibt mir gewogen,
Eure Claudia

PS: Morgen werde ich Euch mal ein paar "Mutmacher" vorstellen. Ich bin erstens sehr erstaunt und zweites sehr erfreut über die zahlreiche und zum Teil auch noch sehr ausführliche Post, die ich jeden Tag von Euch bekomme. Weiter so, das baut auf. Gute Nacht...
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